Archive for November 2012

Existenz

Man kann jahrelang in völliger Isolation arbeiten, das ist sogar die einzige Möglichkeit, wirklich zu arbeiten, aber irgendwann kommt dann der Moment, in dem man das Bedürfnis hat, seine Arbeit der Welt zu zeigen; nicht so sehr, um deren Urteil einzuholen, sondern um sich selbst der Existenz dieser Arbeit und sogar der eigenen Existenz zu vergewissern, denn innerhalb staatenbildender Arten ist die Individualität nur eine kurz anhaltende Fiktion.

Michel Houellebecq, Karte und Gebiet

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Erzählt mir von euren Sorgen, Freunde. Ich kann das gut ertragen. Danach aber lasst uns bei einer Tasse Tee wieder fröhlich sein. […] Kommt Freunde, folgt mir in die Küche. Ein Glas Wasser ist bereits für jeden von uns kalt gestellt und ein paar Sorgen plagen mich übrigens auch. Nicht, dass ihr denkt, ich habe euch eingeladen, um euch etwas vorzujammern. Im Gegenteil. Selbst ganzjährig unter freiem Himmel zu nächtigen würde mir nichts ausmachen. Es ist doch aber so, dass man Offenheit nur mit Offenheit vergelten kann. Uns allen ist das Leben ins Gesicht gefahren und trotzdem stehen wir mannhaft beieinander. Und wisst ihr warum, Freunde? Weil wir Künstler sind. Ich bin ein Künstler genau wie ihr und deshalb empfinde ich auch gerade keinerlei Scheu. Kann einer von euch vielleicht jemanden für mich erdrosseln? Warum erhebt ihr euch denn schon, Freunde? Ihr wollt doch noch nicht gehen! Es ist ein Kinderspiel, die Frau ist fast hundert Jahre alt, und ihr habt auch nicht weit zu laufen. Warum antwortet ihr mir denn nicht, Freunde, und weiß wirklich keiner von euch, wer eigentlich für die Begräbniskosten zuständig ist, wenn jemand keine Angehörigen mehr hat? Der Nachmieter doch wohl nicht! Bitte, Freunde, bleibt doch noch. Mein Sohn und meine Tochter müssen gleich nach Hause kommen. Dann wollen wir singen und tanzen und lustig sein.

Jan Peter Bremer, Der amerikanische Investor

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Alles Illusion

»Ein Symbol für Freiheit zu besitzen, kann ein größeres Glück sein als die Freiheit selbst.«
»Manchmal.«
[…]
»Vermutlich, lieber Kafka, streben die meisten Menschen auf der Welt gar nicht nach Freiheit. Sie bilden es sich nur ein. Alles Illusion. Wären Sie auf einmal tatsächlich frei, wären viele ziemlich aufgeschmissen. Das solltest du dir merken. In Wirklichkeit lieben wir die Unfreiheit.«

Haruki Murakami, Kafka am Strand

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