Archive for Oktober 2013

Selbst im Augenblick des Erkennens wissen wir nichts voneinander. Zwei Menschen sagen »ich liebe dich« oder denken und fühlen es gegenseitig, und doch verbindet jeder damit eine andere Vorstellung, ein anderes Leben, vielleicht sogar eine andere Farbe, ein anderes Aroma oder einen anderen Duft innerhalb der abstrakten Summe von Eindrücken, die das Seelenleben ausmacht.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

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Seemann

Ich bin ein Seemann im Verkennen meiner selbst.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

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Ich will ein Kunstwerk sein, zumindest in meiner Seele, wenn ich es schon nicht in meinem Körper sein kann. Daher habe ich mich in Stille und Entfremdung gestaltet und mich in ein Treibhaus gestellt, geschützt vor frischer Luft und direktem Licht – dort kann meine Künstlichkeit, wie eine absurde Blume, in ferner Schönheit erblühen.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

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Revolution? Veränderung? Ich will nur eines wirklich und aus tiefster Seele: die bleiernen Wolken sollen sich verziehen, den Himmel nicht mehr grau einseifen, das Blau will ich wieder sehen zwischen ihnen, eine Wahrheit, sicher und klar, weil sie nichts ist noch will.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

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Mit dem Leben lesen

Alles, was uns widerfährt, als Geschehen oder Episoden eines Romans betrachten, den wir nicht mit unseren Augen, sondern mit dem Leben lesen. Allein mit dieser Haltung können wir die Tücke der Tage, die Launen der Ereignisse bezwingen.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

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Betrinken Sie sich

Die Füße Christi berührt zu haben ist keine Entschuldigung für eine fehlerhafte Interpunktion. Kann jemand nur in betrunkenem Zustand gut schreiben, sage ich zu ihm: Betrinken Sie sich. Und entgegnet er mir dann, das sei schlecht für seine Leber, frage ich ihn: Was ist Ihre Leber? Sie ist etwas Totes, das lebt, solange Sie leben, und die Gedichte, die Sie schreiben, leben ohne dieses Solange.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

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Zwischen mir und dem Leben

Zwischen mir und dem Leben ist eine dünne Glasscheibe. So deutlich ich das Leben auch erkenne und verstehe, berühren kann ich es nicht.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

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