Archive for Januar 2015

Gulasch

Diese Paprikareputation hatte ich meinem Vater zu verdanken, er lehrte mich, die scharfe Paprika zu ehren (Gulasch).

Péter Esterházy, Harmonia Caelestis

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Vom roten Album

Als ich meinen Blick vom roten Album hob, sah ich Großmama lächeln. Kurz nur, wie ein flüchtiger Schatten, war ein Lächeln über ihr Gesicht gehuscht. Da verstand ich, daß man Unglücklichsein deswegen zur Schau stellen muß, damit es so ein Gesicht gibt, geben kann.

Péter Esterházy, Harmonia Caelestis

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Im Internat wurden wir ständig zur Beichte gescheucht. Wenn wir schon völlig leergebeichtet waren und keine Sünden mehr übrig hatten, aber irgendwas mußte man doch sagen, sagten wir, wir hätten Schnee gestohlen. Vater, ich habe gesündigt, ich habe Schnee gestohlen. Damals kam es uns noch nicht furchtbar vor, daß es nichts zu beichten gab, keine Sünden, nur Sündhaftigkeit.

Péter Esterházy, Harmonia Caelestis

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Als alter Mann

Als alter Mann sagte er: Die Existenz deiner Mutter ist nicht beweisbar, aber es ist meine moralische Pflicht, an sie zu glauben.

Péter Esterházy, Harmonia Caelestis

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Nach Auffassung meines Vater ist das Leben: mit kleinen Einschränkungen wundervoll. Denn nach Auffassung meines Vaters ist in Auschwitz zu sterben: normal, natürlich, auf der Hand liegend. Der Mensch wird verschleppt, getötet: das heißt dann, es ist alles in Ordnung, alles läuft nach Plan, wenn es einen Plan gibt, wenn es keinen Plan gibt, dann geht es unter Zustimmung aller vor sich (ab und an ein kleines Zögern). In Auschwitz nicht zu sterben ist nicht normal, nicht natürlich, also wundervoll. Das Wundervolle bezieht sich dabei nicht darauf, daß es von geringer Wahrscheinlichkeit ist, obwohl es von geringer Wahrscheinlichkeit ist. Der Grund dafür kann sein: ein Fehler, ein Zufall, das sogenannte Glück (Mazl) sowie die unberechenbare Hysterie des richtungslosen Lebenswillens. Ebenfalls nicht normal, nicht natürlich, also wundervoll ist es: gar nicht nach Auschwitz zu kommen (also in Nicht-Auschwitz zu sterben oder nicht zu sterben). Das ist sehr häufig der Fall, deswegen ist es irreführend. Das Wundervolle der Welt ist: schwer. Womit ich nicht sagen will, sagte mein Vater, daß, wenn die Welt ohne Fehler normal wäre, es leichter, schwerer oder genauso wäre wie dieses Wundervolle.

Péter Esterházy, Harmonia Caelestis

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Ein Meilenstein

Sie sind ein Meilenstein auf der Landstraße des weiblichen Geschlechts, sagte zum Beispiel mein Vater (relativ laut), mit einem Wort, er benahm sich in der Nähe meiner Mutter wie ein Besoffener.

Péter Esterházy, Harmonia Caelestis

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Der Mensch

Der Mensch, pflegte er zu sagen, wird unwissend geboren und stirbt – wenn er weise ist – als Skeptiker.

Péter Esterházy, Harmonia Caelestis

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