»Ich erinnere mich an meine Zeit hier und überlege, was ich vermissen werde. Ich glaube, am meisten werde ich vermissen, meine Jugend nicht woanders verbracht zu haben.«

Saša Stanišić, Vor dem Fest

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Wir kennen das Prekäre gut. Wir kennen den Ruin. Verwahrlosung ist uns nicht fremd, noch die Scham, die mit alldem einhergeht. Aber immer wissen wir, was davor war, und sprechen über das Warum. Dann taucht einer auf, noch kaputter, und er bleibt bis zum Morgengrauen, und niemand weiß, wer er ist, er gibt uns nichts, worüber wir sprechen könnten.

Saša Stanišić, Vor dem Fest

Sag mal

Von einer Mücke gestochen im Regen: Herr Schramm. »Sag mal«, sagt Herr Schramm. Im Schnitt weisen Mücken eine höhere Stichquote bei Menschen mit höherer Konzentration von Bakterien auf ihren Füßen auf als bei Menschen mit weniger Bakterien auf ihren Füßen. Seit er das weiß, benutzt Herr Schramm eine antibakterielle Seife, und trotzdem wird er gestochen, nur jetzt halt nicht mehr so oft an den Füßen.

Saša Stanišić, Vor dem Fest

Demografisch gesehen sollten meine Hobbys Ego-Shooter und rechtes Gedankengut sein. Beides ist aber gar nicht so geil.

Saša Stanišić, Vor dem Fest

Früher, ach, früher. Früher haben die Glöckner wichtigen Ereignissen Anfang und Ende gesetzt, haben vor Gefahren gewarnt, vor Feind und den Elementen. So mancher wurde im Dienst vom Blitz erschlagen. Nachts, in einer Welt, die nicht so übervoll mit Licht war, waren die Glocken ein Leuchtturm aus Klang für alle, die durch die Finsternis irrten: Hier, wo wir schlagen, schlagen lebende Herzen. Und heute? Glocken sind die akustische Erinnerung, dass die Kirche noch steht. Ein Weckruf, den niemand bestellt hat.

Saša Stanišić, Vor dem Fest

Sie loben

Die Musiker sind schon angereist. Sie loben die ganze Zeit die Landschaft, als könnte das Dorf etwas dafür.

Saša Stanišić, Vor dem Fest

Alle sehr müde

Grashüpfer. Schwalben. Wespen. Alle sehr müde, sehr. Der Herbst ist ja schon da.

Saša Stanišić, Vor dem Fest