Posts Tagged ‘Erri de Luca’

Ich kehrte nach Hause zurück, in Gedanken noch bei den Unterrichtsstunden. In der kostenlosen staatlichen Schule lag eine bürgerliche Großzügigkeit, die einem wie mir das Lernen erlaubte. Ich war darin groß geworden und hatte mir nie überlegt, wie viel Mühe es die Gesellschaft kostet, dieser Aufgabe nachzukommen. Bildung verlieh uns Armen Bedeutung. Die Reichen würden sich ohnehin bilden. Die Schule gab denen Gewicht, die keines hatten, sie schaffte Gleichheit. Die Armut beseitigte sie nicht, aber innerhalb ihrer Mauern ermöglichte sie den Ausgleich. Die Verschiedenheit begann draußen.

Erri de Luca, Der Tag vor dem Glück

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Ausufern

Der Schriftsteller muss kleiner sein als der Gegenstand, von dem er erzählt. Man muss erkennen, dass die Geschichte ihm nach allen Seiten entwischt und dass er nur wenig davon einsammeln kann. Wer liest, freut sich an diesem Überfluss, dem Ausufern über den Schriftsteller hinaus.

Erri de Luca, Der Tag vor dem Glück

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Vielleicht ein Wald

[…], die Zeit ist keine Masse, sie ist vielleicht ein Wald. Wenn du das Blatt kennengelernt hast, wirst du später den Baum erkennen. Wenn du ihr in die Augen gesehen hast, wirst du sie wiederfinden. Auch wenn ein Wald Zeit vergangen ist.

Erri de Luca, Der Tag vor dem Glück

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Zu schüchtern

Warum hatte ich keine Angst gehabt? Ich begriff, dass meine Angst zu schüchtern war, sie musste allein sein, um zum Vorschein zu kommen. Hier aber waren die Augen der Jungen unten und die des Mädchens oben. Meine Angst schämte sich hervorzukommen. Sie würde sich später rächen, abends im Bett, im Dunkeln, wenn die Gespenster in der Leere raschelten.

Erri de Luca, Der Tag vor dem Glück

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